*Dieser Beitrag basiert auf einem YouTube-Video von Sophie Hundertmark, Expertin für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz mit Fokus auf Chatbots und strategische AI-Anwendungen in Unternehmen und öffentlichen Institutionen. Sophie ist Forscherin und Dozentin an der Hochschule Luzern und promoviert im Bereich Conversational AI an der Universität Fribourg. Der Blogtext wurde mithilfe eines Custom GPT-Modells erstellt, das auf Sophies Video-Inhalte, Sprachstil und Fachwissen trainiert wurde. So entstehen fundierte, aktuelle Beiträge auf Basis eigener Expertise von Sophie Hundertmark.
Den Link zum Video findet ihr am Ende dieses Beitrags.
Künstliche Intelligenz nimmt uns immer mehr Denkaufgaben ab. Umso wichtiger ist es, unsere eigenen Fähigkeiten weiterhin zu trainieren und Neues zu lernen. Gleichzeitig müssen wir dabei aber nicht auf die Unterstützung von KI verzichten. Im Gegenteil: Richtig eingesetzt können KI-Assistenten zu persönlichen Lerncoaches werden, die Lerninhalte strukturieren, erklären und individuell an unser Tempo anpassen.
Ob ihr eine neue Sprache lernen, euch auf eine Prüfung vorbereiten oder ein komplexes berufliches Thema verstehen möchtet: Mit dem richtigen Prompt könnt ihr Tools wie ChatGPT, Gemini oder SwissGPT nutzen, um einen individuellen Lernprozess aufzubauen.
In diesem Beitrag zeige ich euch drei konkrete Möglichkeiten – inklusive der passenden Prompts zum direkten Kopieren und Anpassen.
1. Einen persönlichen KI-Lerncoach erstellen
Ein KI-Assistent kann mehr sein als ein Tool, dem ihr einzelne Wissensfragen stellt. Ihr könnt ihm beispielsweise die Rolle eines persönlichen Lerncoachs und Trainingslehrers geben.
Mein eigenes Lernziel war sehr konkret: Ich wollte mein Italienisch so weit verbessern, dass ich einen zweistündigen KI-Kurs für Kinder zwischen 9 und 13 Jahren vollständig auf Italienisch durchführen kann.
Statt einfach nur zu sagen „Hilf mir, Italienisch zu lernen“, habe ich der KI deshalb sowohl mein übergeordnetes Ziel als auch klare Anforderungen an die Lernbegleitung mitgegeben.
Der Lerncoach soll beispielsweise mein Ziel verstehen, daraus realistische Teilziele entwickeln, Übungen erstellen, Fehler erklären und sich an mein individuelles Lerntempo anpassen. So entsteht nicht nur eine einzelne Antwort, sondern ein Lernprozess, den ihr über einen längeren Zeitraum weiterführen könnt.
Prompt 1 zum Kopieren: Persönlicher KI-Lerncoach
Du bist mein persönlicher Lerncoach und Trainingslehrer. Dein Ziel ist es, mich strukturiert, motivierend und effizient beim Lernen zu begleiten – angepasst an mein individuelles Ziel.
Eingaben (die ich dir gebe):
1. Thema / Fähigkeit:
2. Oberstes Ziel:
Dein Vorgehen (verbindlich):
3. Zielklarheit herstellen
- Formuliere mein Lernziel in eigenen Worten.
- Zerlege es in realistische Teilziele.
- Prüfe, ob das Ziel klar, erreichbar und messbar ist.
4. Individuellen Lernplan erstellen
- Erstelle einen strukturierten Lernplan (Etappen / Module / Wochen oder Tage).
- Priorisiere Inhalte nach Relevanz für mein Ziel.
- Plane Wiederholungen und Vertiefungen ein.
5. Aktiv als Lerncoach begleiten
- Erkläre Inhalte einfach, verständlich und schrittweise.
- Nutze Beispiele, Analogien und Mini-Übungen.
- Stelle mir regelmässig Verständnisfragen.
- Passe Tempo und Tiefe dynamisch an mein Feedback an.
6. Trainingsmodus aktivieren
- Gib mir konkrete Aufgaben oder Übungen.
- Korrigiere meine Antworten konstruktiv.
- Erkläre Fehler und zeige bessere Lösungswege.
- Fordere mich gezielt heraus, ohne zu überfordern.
7. Motivation & Reflexion
- Motiviere mich kontinuierlich.
- Zeige Fortschritte auf.
- Stelle Reflexionsfragen: Was fiel leicht? Was schwer? Was ändern wir?
8. Flexibel reagieren
- Wenn ich sage „zu schwer“, vereinfache.
- Wenn ich sage „zu leicht“, vertiefe.
- Wenn ich sage „keine Zeit“, kürze sinnvoll.
- Wenn ich sage „Praxis“, liefere Anwendungsbeispiele.
Regeln für deine Antworten:
- Klar, freundlich, unterstützend.
- Keine unnötige Theorie.
- Fokus immer auf mein oberstes Ziel.
- Du begleitest mich langfristig, nicht nur einmalig.
Diesen Prompt könnt ihr für nahezu jedes Lernziel einsetzen. Ihr müsst lediglich Thema beziehungsweise Fähigkeit und euer oberstes Ziel ergänzen.
Das kann eine Sprache sein, eine berufliche Kompetenz, ein technisches Thema oder auch etwas völlig anderes.
Warum die KI zuerst euer Ziel verstehen sollte
Ein wichtiger Bestandteil dieses Prompts ist die Zielklärung.
Die KI soll das Lernziel zunächst in eigenen Worten formulieren. Dadurch könnt ihr kontrollieren, ob sie tatsächlich verstanden hat, was ihr erreichen möchtet.
Anschließend zerlegt sie das große Ziel in kleinere, realistische Schritte. Gerade bei umfangreichen Lernzielen ist das hilfreich, weil aus einem zunächst abstrakten Vorhaben ein konkreter Plan entsteht.
Zusätzlich kann die KI Rückfragen stellen. In meinem Beispiel waren unter anderem mein aktuelles Italienisch-Niveau, mein Vorwissen zum Thema KI und mein verfügbarer Zeitraum relevant.
Erst mit diesen Informationen kann ein wirklich individueller Lernplan entstehen.
Lernmethoden individuell festlegen
Ihr könnt den Prompt zusätzlich an eure bevorzugte Lernweise anpassen.
Beim Sprachenlernen könnt ihr beispielsweise festlegen, dass ihr besonders viele Rollenspiele oder Vokabelübungen möchtet. Bei anderen Themen können praktische Übungen, Fallbeispiele oder regelmäßige Quizfragen sinnvoller sein.
Die KI kann dabei unterschiedliche Rollen übernehmen: Sie erklärt, fragt ab, korrigiert, erstellt Übungen und passt den Schwierigkeitsgrad an.
Wenn euch etwas zu schwer ist, könnt ihr das direkt sagen. Ist eine Aufgabe zu einfach, kann die KI tiefer in das Thema einsteigen.
Genau diese Flexibilität macht einen KI-Lerncoach interessant.
2. Mit KI für eine Prüfung lernen
Eine zweite Einsatzmöglichkeit ist die Vorbereitung auf Prüfungen. Das eignet sich sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche.
Angenommen, ein Kind in der fünften oder siebten Klasse schreibt in wenigen Tagen eine Prüfung. Statt einfach nur Fragen zum Thema zu stellen, könnt ihr die KI bitten, daraus einen strukturierten Lernplan zu entwickeln.
Dabei könnt ihr Klassenstufe, Fach, Prüfungsthema und verfügbare Lerntage individuell anpassen.
Prompt 2 zum Kopieren: Prüfungsvorbereitung für Kinder
Ich bin ein Kind in der [Klassenstufe, z. B. 5. Klasse] und schreibe bald eine Prüfung im Fach [z. B. Natur und Technik].
Das Thema lautet: [konkretes Thema, z. B. das Sonnensystem].
Ich möchte in den nächsten [Anzahl der Tage, z. B. 5 Tagen] lernen.
Bitte hilf mir mit:
1. Einem einfachen Lernplan für jeden Tag mit kurzen Erklärungen und kleinen Aufgaben.
2. Einfachen Erklärungen, als würdest du es einem Kind erklären.
3. Ein paar kleinen Quizfragen am Ende jedes Tages zum Üben (Multiple Choice oder Lückentext).
4. Einer kurzen Zusammenfassung am Schluss mit den wichtigsten Punkten.
Sprich bitte in einer freundlichen und motivierenden Sprache, so dass Lernen Spaß macht. Und sag mir, wenn ich etwas gut gemacht habe!
Dieser Prompt lässt sich sehr einfach anpassen. Ihr könnt nicht nur das Fach und das Thema austauschen, sondern auch das Alter beziehungsweise die Klassenstufe und die Anzahl der verfügbaren Lerntage.
Natürlich funktioniert die Grundidee auch für Erwachsene. Dann könnt ihr beispielsweise die Aufforderung „als würdest du es einem Kind erklären“ durch eine Beschreibung eures aktuellen Wissensstandes ersetzen.
Lerninhalte an persönliche Interessen anpassen
Besonders spannend wird es, wenn ihr der KI zusätzliche Informationen über die lernende Person gebt.
Ihr könntet die KI beispielsweise bei einer Physikaufgabe zunächst nach dem Hobby des Kindes fragen lassen. Interessiert sich das Kind für Fußball, können physikalische Zusammenhänge anhand von Situationen auf einem Fußballfeld erklärt werden.
Das Lernziel bleibt gleich, aber der Kontext wird vertrauter und greifbarer.
Genau hier liegt eine große Stärke personalisierter KI-Unterstützung: Ein klassisches Lernmaterial muss für viele Menschen funktionieren. Ein KI-Assistent kann Beispiele dagegen unmittelbar auf eine einzelne Person zuschneiden.
Wichtig: KI kennt nicht automatisch den Prüfungsstoff
Gerade bei der Prüfungsvorbereitung gibt es allerdings einen wichtigen Punkt: Die KI weiß nicht automatisch, was die Lehrperson tatsächlich als prüfungsrelevant definiert hat.
Wenn ihr lediglich Fach und Thema nennt, entscheidet das KI-Modell selbst, welche Inhalte wahrscheinlich wichtig sind. Diese Auswahl muss nicht mit dem tatsächlichen Prüfungsstoff übereinstimmen.
Deshalb ist es sinnvoll, vorhandene Lernmaterialien, Unterlagen oder Prüfungspläne in den Lernprozess einzubeziehen.
Wenn das verwendete KI-Tool das Hochladen von Dokumenten unterstützt, könnt ihr beispielsweise die tatsächlichen Lernunterlagen ergänzen und die KI ausdrücklich anweisen, ihre Erklärungen, Aufgaben und Quizfragen daran auszurichten.
Trotzdem bleibt das eigene Mitdenken wichtig. Kontrolliert, ob tatsächlich alle Inhalte aus dem Lehr- oder Prüfungsplan berücksichtigt werden.
KI unterstützt das Lernen – sie nimmt uns die inhaltliche Kontrolle nicht ab.
3. Komplexe neue Aufgaben mit KI verstehen
Lernen findet nicht nur in der Schule oder beim Sprachenlernen statt.
Auch im Berufsalltag müssen wir uns immer wieder in neue Themen einarbeiten. Vielleicht müsst ihr eine Aufgabe später tatsächlich selbst durchführen. Vielleicht braucht ihr aber auch zunächst genügend Wissen, um mit Kollegen, Kunden oder Dienstleistern darüber sprechen zu können.
Oder ihr möchtet euch auf einen Workshop, ein Projekt oder ein Meeting vorbereiten.
Auch dafür kann ein sehr einfacher Prompt bereits hilfreich sein.
Prompt 3 zum Kopieren: Neue Aufgaben Schritt für Schritt verstehen
Erkläre mir Schritt für Schritt, wie ich [deine Aufgabe hier einfügen] durchführen kann, als wäre ich ein Anfänger.
Führe mich durch den Prozess und starte mit Schritt 1.
Stelle mir vorab Fragen, um alle notwendigen Informationen zu sammeln.
Den Platzhalter könnt ihr durch praktisch jede Aufgabe ersetzen.
Zum Beispiel:
„Erkläre mir Schritt für Schritt, wie ich ein eigenes LLM betreiben kann, als wäre ich ein Anfänger.“
Oder ihr setzt dort eine komplett andere berufliche oder private Aufgabe ein.
Warum die Aufforderung zu Rückfragen so hilfreich ist
Besonders wichtig ist der letzte Teil des Prompts: Die KI soll zunächst Fragen stellen.
Natürlich könntet ihr schon im ersten Prompt sämtliche Hintergrundinformationen ausführlich beschreiben. Meine Erfahrung ist jedoch, dass es häufig hilfreich ist, die KI selbst fragen zu lassen, welche Informationen noch fehlen.
Sie kann beispielsweise nach eurem Wissensstand, eurem Ziel, vorhandenen Ressourcen oder bestimmten technischen Rahmenbedingungen fragen.
Nachdem ihr die Fragen beantwortet habt, beginnt sie mit Schritt 1.
Danach könnt ihr entscheiden, wie ihr weitermachen möchtet. Ihr könnt direkt dem vorgeschlagenen Weg folgen, zwischen verschiedenen Optionen wählen oder an einzelnen Stellen zusätzliche Fragen stellen.
So arbeitet ihr euch Stück für Stück in ein komplexes Thema ein, anstatt direkt mit einer großen Menge an Informationen überfordert zu werden.
Vom Chatbot zum individuellen Lernbegleiter
Die drei Beispiele zeigen, wie sich die Nutzung von KI verändern kann, wenn wir nicht nur einzelne Fragen stellen, sondern einen strukturierten Lernprozess aufbauen.
Die KI kann dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen: Sie erstellt einen Lernplan, erklärt Inhalte, entwickelt Übungen, stellt Quizfragen, korrigiert Fehler und passt den weiteren Verlauf an eure Antworten an.
Der entscheidende Faktor ist die Personalisierung.
Je besser die KI euer Ziel, euren aktuellen Wissensstand, euren verfügbaren Zeitraum und eure bevorzugte Lernweise kennt, desto gezielter kann sie euch unterstützen.
Das funktioniert beim Sprachenlernen genauso wie bei der Prüfungsvorbereitung oder beim Aufbau neuer beruflicher Kompetenzen.
KI nutzen, ohne das eigene Denken abzugeben
Wenn wir immer mehr Aufgaben an KI-Systeme delegieren, stellt sich zwangsläufig die Frage, welche Fähigkeiten wir selbst weiterhin trainieren möchten.
KI beim Lernen einzusetzen bedeutet dabei nicht automatisch, das Denken an die Technologie abzugeben. Sinnvoll eingesetzt kann sogar das Gegenteil passieren: Die KI stellt Fragen, gibt Übungen, fordert Antworten ein und ermöglicht uns, Inhalte in unserem eigenen Tempo zu bearbeiten.
Wichtig bleibt die kritische Kontrolle. Insbesondere bei fachlichen oder prüfungsrelevanten Informationen sollten wir Ergebnisse überprüfen und möglichst mit den tatsächlichen Unterlagen arbeiten.
Dann kann aus einem allgemeinen KI-Assistenten ein sehr individueller Lernbegleiter werden – für Kinder, Erwachsene und den beruflichen Alltag.
Weitere Fragen?
Ihr habt Fragen dazu? Gerne unterstütze ich euch, stehe als Sparring-Partner zur Verfügung und beantworte eure Fragen. Ich freue ich mich immer über eure Nachrichten, am liebsten per WhatsApp Nachricht oder als E-Mail.
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