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3 KI-Prompts für Lehrkräfte: So bleiben Schulaufgaben trotz ChatGPT anspruchsvoll

*Dieser Beitrag basiert auf einem YouTube-Video von Sophie Hundertmark, Expertin für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz mit Fokus auf Chatbots und strategische AI-Anwendungen in Unternehmen und öffentlichen Institutionen. Sophie ist Forscherin und Dozentin an der Hochschule Luzern und promoviert im Bereich Conversational AI an der Universität Fribourg. Der Blogtext wurde mithilfe eines Custom GPT-Modells erstellt, das auf Sophies Video-Inhalte, Sprachstil und Fachwissen trainiert wurde. So entstehen fundierte, aktuelle Beiträge auf Basis eigener Expertise von Sophie Hundertmark.

Den Link zum Video findet ihr am Ende dieses Beitrags.


ChatGPT, Gemini, Kimi und andere KI-Tools sind längst im Lernalltag angekommen. Schülerinnen und Schüler nutzen sie, um Informationen zu recherchieren, Texte zu schreiben, Zusammenfassungen zu erstellen oder Lösungswege zu finden. Für Lehrkräfte und Eltern entsteht dadurch eine neue Herausforderung: Wie können wir Aufgaben so gestalten, dass Lernende KI nutzen dürfen und trotzdem selbst denken müssen?

Ein vollständiges Verbot von KI ist dabei nicht unbedingt die beste Antwort. Viel spannender ist die Frage, wie wir bestehende Aufgaben an die neue Realität anpassen können.

Genau dafür zeige ich euch drei Prompts, die ihr direkt kopieren und mit euren eigenen Aufgaben ausprobieren könnt. Mit ihnen lassen sich klassische Schul- und Hausaufgaben so umformulieren, dass der individuelle Denkprozess, die Übertragung auf eigene Beispiele und das tatsächliche Verständnis stärker in den Mittelpunkt rücken.

Warum wir Schulaufgaben im KI-Zeitalter neu denken müssen

Nehmen wir eine klassische Aufgabe aus dem Deutschunterricht:

„Schreibt eine Inhaltsangabe der ersten drei Kapitel von Wilhelm Tell und interpretiert das erste Kapitel.“

Früher mussten Schülerinnen und Schüler dafür selbst lesen, Inhalte herausarbeiten, strukturieren und formulieren. Heute kann ein KI-System innerhalb kürzester Zeit eine durchaus brauchbare Inhaltsangabe und Interpretation erstellen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Hausaufgaben überflüssig werden. Wir müssen vielmehr die Aufgabenstellung verändern.

Statt ausschließlich das Endergebnis zu bewerten, können wir stärker danach fragen:

  • Wie sind die Schüler zu ihrem Ergebnis gekommen?
  • Welche Entscheidungen haben sie selbst getroffen?
  • Wofür wurde KI eingesetzt?
  • Können sie das Gelernte auf ein eigenes Beispiel übertragen?
  • Können sie das Thema einer anderen Person verständlich erklären?

Genau an diesen Punkten setzen die folgenden drei Prompts an.

Prompt 1: Den eigenen Denkprozess sichtbar machen

Beim ersten Ansatz steht nicht ausschließlich die fachlich richtige Lösung im Mittelpunkt. Die Schüler müssen zusätzlich erklären, wie sie zu ihrer Lösung gekommen sind.

KI darf dabei ausdrücklich verwendet werden. Ihre Nutzung wird also nicht versteckt oder verboten, sondern bewusst zum Bestandteil der Aufgabe gemacht.

Diesen Prompt könnt ihr direkt kopieren:

Du bist eine KI, die Hausaufgaben so umgestaltet,
dass der Denkprozess der Schüler:innen im Mittelpunkt steht.

Ich gebe dir eine bestehende Aufgabe.

Erstelle daraus eine neue Aufgabe, bei der:

- die Schüler:innen KI benutzen dürfen
- sie aber ihren eigenen Lösungsweg erklären müssen

Die Aufgabe muss enthalten:

- eine fachliche Hauptaufgabe
- eine verpflichtende Erklärung des Vorgehens:
    - Wie bist du vorgegangen?
    - Wobei hat dir KI geholfen?
    - Wo musstest du selbst entscheiden?

Formuliere die Aufgabe so,
dass eine reine KI-Antwort nicht ausreicht,
um alle Teile zu erfüllen.

Anschließend ergänzt ihr einfach eure bestehende Aufgabenstellung.

Der entscheidende Unterschied: Selbst wenn eine KI einen Teil der fachlichen Aufgabe löst, ist die Arbeit damit noch nicht erledigt. Die Schüler müssen ihren Arbeitsprozess reflektieren und zeigen, welche Entscheidungen sie selbst getroffen haben.

Damit verschiebt sich der Fokus vom reinen Ergebnis hin zum Lern- und Denkprozess.

Prompt 2: Wissen auf individuelle Beispiele übertragen

Der zweite Prompt verfolgt einen anderen Ansatz. Hier geht es darum, das fachliche Wissen auf ein eigenes Beispiel zu übertragen.

Das Beispiel soll aus dem Alltag, der Fantasie oder dem persönlichen Umfeld der Schüler stammen. Dadurch wird die individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema stärker in die Aufgabe integriert.

Diesen Prompt könnt ihr direkt kopieren:

Du bist eine didaktische KI, die Lernen durch eigene Beispiele fördert. Ich gebe dir eine bestehende Schulaufgabe. Erstelle eine neue Aufgabe, bei der:

- das gleiche Fachwissen vermittelt wird
- die Schüler:innen ein eigenes Beispiel aus ihrem Alltag,
ihrer Fantasie oder ihrem Umfeld entwickeln müssen

Baue folgende Elemente ein:

- eine kurze fachliche Erklärung (KI darf helfen)
- eine Aufgabe zur Übertragung: „Erfinde ein eigenes Beispiel, das zeigt, dass du das Thema verstanden hast.“
- eine Begründung: „Warum passt dein Beispiel zu diesem Thema?“

Achte darauf: Das eigene Beispiel muss so individuell sein, dass es nicht direkt von einer KI generiert werden kann.

Auch hier fügt ihr anschließend einfach die ursprüngliche Schulaufgabe hinzu.

Der Vorteil dieses Ansatzes liegt in der Transferleistung. Die Lernenden sollen Wissen nicht nur wiedergeben, sondern auf einen eigenen Kontext anwenden.

Denn eine Antwort von einer KI erstellen zu lassen, ist vergleichsweise einfach. Zu beurteilen, ob eine Antwort passt, eigene Zusammenhänge herzustellen und Fachwissen auf eine neue Situation zu übertragen, verlangt deutlich mehr Eigenleistung.

Prompt 3: Verstehen durch Erklären überprüfen

Der dritte Prompt basiert auf einem bekannten Lernprinzip: Ein Thema haben wir häufig erst dann wirklich verstanden, wenn wir es einer anderen Person verständlich erklären können.

Auch hier dürfen die Schüler KI verwenden, um sich zunächst mit dem Thema auseinanderzusetzen. Anschließend müssen sie das Gelernte jedoch selbst für eine bestimmte Zielperson erklären.

Diesen Prompt könnt ihr direkt kopieren:

Du bist eine KI, die Hausaufgaben so gestaltet,
dass Schüler:innen Wissen erklären lernen.

Ich lade dir eine bestehende Aufgabe hoch.

Forme sie so um, dass die Schüler:innen:

- das Thema zuerst selbst verstehen (KI erlaubt)
- es anschließend für eine andere Person erklären müssen

Die neue Aufgabe soll enthalten:

- eine Zielperson (z. B. jüngeres Kind, neue Mitschülerin, Oma)
- klare Anforderungen:
    - einfache Sprache
    - eigenes Beispiel
    - maximal X Sätze
- eine Reflexionsfrage:
„Was war schwierig beim Erklären und warum?“

Ziel ist zu prüfen,
ob das Thema wirklich verstanden wurde.

Die Zielperson kann natürlich an das Fach, die Altersstufe oder die konkrete Aufgabe angepasst werden. Ebenso könnt ihr das „X“ bei der maximalen Satzanzahl durch eine passende Zahl ersetzen oder die KI bitten, selbst eine sinnvolle Länge vorzuschlagen.

Die eigentliche Lernleistung besteht hier darin, Informationen zu verstehen, auszuwählen, neu zu strukturieren und für eine andere Person verständlich wiederzugeben.

KI muss bei Hausaufgaben nicht der Gegner sein

Die drei Prompts zeigen einen wichtigen Perspektivwechsel: Wir müssen nicht ausschließlich Aufgaben entwickeln, die Schülerinnen und Schüler ohne KI lösen müssen.

Wir können stattdessen Aufgaben entwickeln, die auch mit KI anspruchsvoll bleiben.

Dafür können wir Kompetenzen stärker in den Mittelpunkt stellen, bei denen die eigene Auseinandersetzung entscheidend ist: Reflexion, Begründung, Transfer, individuelle Entscheidungen und die Fähigkeit, Wissen verständlich zu erklären.

Für Lehrkräfte bedeutet das nicht, sämtliche Unterrichtsmaterialien von Grund auf neu entwickeln zu müssen. Bestehende Aufgaben können weiterhin als Ausgangspunkt dienen. Mit einem passenden Prompt kann die KI zunächst Vorschläge für eine neue Aufgabenstellung entwickeln. Diese könnt ihr anschließend prüfen und an eure Klasse, das Lernziel und das jeweilige Niveau anpassen.

Die drei Ansätze lassen sich auch kombinieren

Besonders interessant wird es, wenn ihr die drei Methoden miteinander verbindet.

Eine Aufgabe könnte beispielsweise verlangen, dass die Schüler zunächst mithilfe von KI Informationen erarbeiten. Danach müssen sie erklären, wie sie vorgegangen sind und an welchen Stellen sie selbst Entscheidungen getroffen haben. Anschließend entwickeln sie ein eigenes Beispiel und erklären das Thema einer bestimmten Zielperson.

Damit entstehen Aufgaben, bei denen KI durchaus ein Werkzeug sein darf – aber eben nicht die gesamte Denkleistung übernimmt.

Ein Prompt ersetzt keine didaktische Entscheidung

So hilfreich diese Vorgehensweise ist: Die von der KI erstellten Aufgaben sollten nicht ungeprüft übernommen werden.

Schaut euch beispielsweise an, ob die neue Aufgabe tatsächlich zum Lernziel passt, für die jeweilige Altersgruppe geeignet ist und eine sinnvolle Eigenleistung verlangt.

Auch die Anforderung, dass etwas „nicht direkt von einer KI generiert werden kann“, sollte in der Praxis differenziert betrachtet werden. KI kann mittlerweile sehr viele Beispiele, Reflexionen und Erklärungen erzeugen. Entscheidend ist deshalb, Aufgaben möglichst eng mit dem tatsächlichen Lernprozess, individuellen Entscheidungen oder konkreten Erfahrungen der Lernenden zu verbinden.

KI liefert euch einen Ausgangspunkt und kann viel Arbeit bei der Umgestaltung bestehender Aufgaben abnehmen. Die didaktische Entscheidung bleibt aber bei euch.

Fazit: Nicht weniger KI, sondern bessere Aufgaben

ChatGPT, Gemini, Kimi und andere KI-Systeme werden aus dem Lernalltag nicht einfach wieder verschwinden. Deshalb lohnt es sich, darüber nachzudenken, wie wir Aufgaben an diese neue Realität anpassen.

Statt ausschließlich zu fragen, wie wir verhindern können, dass Schüler KI verwenden, können wir eine andere Frage stellen:

Wie gestalten wir Aufgaben so, dass Lernende KI verwenden können und trotzdem selbst denken, verstehen, übertragen und erklären müssen?

Die drei Prompts bieten dafür einen praktischen Ausgangspunkt. Ihr könnt sie direkt kopieren, eure bisherige Aufgabenstellung ergänzen und ausprobieren, welche neuen Aufgaben daraus entstehen.

Viel Spaß beim Prompten und Unterrichten!


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